Was Angstverhalten- und Aggressionsverhalten verstärkt und verschlimmert

 

Zuerst muss man sich darüber Klarheit verschaffen, was Verstärkung ist, denn Verstärkung und Belohnung müssen unterschieden werden, um ihre Wirkung zu verstehen und richtig anbringen zu können. 

Belohnend wirken Konsequenzen, die das aktuelle Bedürfnis aus dem das Verhalten resultiert nicht ansprechen, aber stimmungsverbessernd sind. Die gezeigte Verhaltensweise erfährt in diesem Fall keine Verstärkung: Das aktuelle Bedürfnis wird nicht angesprochen, daher ist das gezeigte Verhalten  nicht zielführend und wird nicht als mögliche Lösungsstrategie erlernt, auch wenn die Belohnung  eine positive Emotion im Hund auslöst.

Verstärkend wirken Konsequenzen, die tatsächlich das aktuelle Bedürfnis aus welchem das Verhalten entstand auffangen und vom Individuum mit dem gezeigten Verhalten in Verbindung gebracht werden können. Die Folge ist, dass das Verhalten zukünftig in solchen Situationen intensiver gezeigt wird. Verstärkte Verhalten bleiben daher mindestens in ihrer Qualität erhalten, oder steigern sich (in ihrer Intensität u/od. Häufigkeit u/od. Andauer u/od. Latenzzeit), da sie vom Gehirn als lohnenswert abgespeichert werden weil zielführend!

 

Beispiele an Aggressionsverhalten

Das Ziel/die Funktion von Aggressionsverhalten ist es, im Auslöser Angst zu erzeugen um diesen in die Flucht zu schlagen. Daher speichert das Gehirn das Aggressionsverhalten als erfolgsversprechend ab, wenn der Auslöser tatsächlich die Distanz vergrößert ( es reichen oft wenige Zentimeter!)/sich entfernt, was meist der Fall ist, da die Auslöser in der Umwelt nicht bewegungslos stehenbleiben, wenn Hundi mit dem Spektakel beginnt

 

Deshalb darf man nie vergessen, dass es während des Ablaufes des unerwünschten Verhaltens immer zur Verstärkung kommt und das nicht nur durch die eben erwähnten Bedingungen in der Umwelt (der Auslöser nimmt Abstand/geht weg) sondern auch durch innere Faktoren: durch das Ausüben des impulsiven Verhaltens erlebt Hundi etwas Erleichterung und Spannungsabbau = Verstärkung.

 

!!!Und wenn weitere negative Reize dazukommen (= alles an Bedrohung und Bestrafung), intensivieren sich die negativen Emotionen in der Situation und Hundis Gehirn hat viel Zeit neue  Auslöser für die aktuellen negativen Emotionen via klassische Konditionierung zu erlernen = mehr Angst = mehr Stress und erhöhtes Erregungslevel  = mehr impulsiver Hundi!

 

Daher gilt es generell das Management hochzufahren, um so selten wie möglich Hundi in Situationen zu bringen, die er noch nicht bewältigen kann und das Training dahingehend zu organisieren, damit Hundi erfolgreich seine funktionalen alternativen Verhaltensweisen

(= Bewältigungsstrategien) erlernen & einüben kann.

 

Verstärkende, bzw. belohnende Konsequenzen nutzen wir daher sowohl einzeln, als auch in der Kombination, und für beide Varianten benötigen wir das Markersignal:

 

zum einen markieren wir bewusst gezeigte erwünschte Verhaltensweisen und lassen eine Konsequenz folgen die das aktuelle Bedürfnis anspricht und somit verstärkend auf das markierte VVerhalten wirkt (z.B. wenn wir funtionale alternative Verhaltensweisen trainieren).

Zum anderen markieren wir in Verhalten mit negativer emotionaler Grundlage rein und nutzen die positive Stimmung, die das Markersignal in Hundi erzeugt,um im Hund vorhandene negative Emotionen abzuschwächen, als Türöffner für  die funktionalen alternativen Verhalten.

 

Angstverhalten- und Aggressionsverhalten entsteht also aus negativen Emotionen, welche durch ihre Funktionen an die aktuellen Bedingungen in der Umwelt und/oder im Körper (z.B. bei Schmerzen) anpassen sollen. Angstverhalten- und Aggressionsverhalten können daher nicht ohne diese zugrundeliegenden negativen Emotionen gezeigt werden, denn erst die negative Bewertung der Situation/ des Reizes durch die Amygdala im limbischen System im Gehirn erzeugt das Gefühl von Bedrohung/Unbehagen aus der dann das impulsive Verhalten ( z.B. Angstverhalten und Aggressionsverhalten) entsteht.

 

Diese negative Bewertung der Situation/des Reizes und das negative Gefühl werden vom Gehirn erzeugt und sind ein unbewusster Vorgang im Gehirn! Daher kann Hundi Angst und Aggression und Angstverhalten- und Aggressionsverhalten NICHT selber willentlich erzeugen! D.h. Hundi ist nicht in der Lage ohne diesen unbewussten Bewertungsvorgang des Gehirns ( wenn die Amygdala im limbischen System ein Reiz/Situation als gefährlich einstuft) Angst oder Aggression zu empfinden und Angstverhalten- und Aggressionsverhalten zu zeigen.

 


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