mehr Wissen zum Thema Belohnung/Verstärkung

Ein Verhalten wird immer dann aufgebaut, intensiviert oder bleibt in seiner Qualität erhalten, wenn es Verstärkung erfährt. Verstärkung ist ein Lernprozess im Gehirn. Dieser Prozess wird aktiviert, wenn auf das Verhalten eine Konsequenz folgt, die das aktuelle Bedürfnis befriedigt.

Das Gehirn ist immer auf der Suche nach bedürfnisbefriedigenden Ereignissen, um das innere emotionale Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Verhaltensweisen die bedürfnisbefriedigende Konsequenzen zur Folge haben, sind das Werkzeug dazu. Sie helfen dem Individuum sich an die Situation anzupassen und erhalten das innere emotionale Gleichgewicht aufrecht, bzw. stellen es wieder her.

Ein Verhalten hat daher immer eine anpassende Funktion, auch wenn es vom Menschen unerwünscht ist! Verstärkend wirken somit die Konsequenzen eines Verhaltens, die das aktuelle Bedürfnis auffangen und vom Individuum tatsächlich mit dem gezeigten Verhalten in Verbindung gebracht werden können.

 

  Das ein Verhalten Verstärkung erfährt erkennt man daran, dass das Verhalten zukünftig

  • häufiger auftritt
  • schneller auftritt
  • länger oder intensiver auftritt
  • in seiner Qualität erhalten bleibt

 

Wenn auch nur eines der hier lila markierten Wörter an dem Verhalten zu erkennen ist, gibt es ein Verstärkungsprozess und das Verhalten wird von Hundi immer wieder gezeigt werden, denn sein Gehirn hat es als lohnenswert verknüpft!

 

Nur wenn ein Verhalten Verstärkung erfährt, bleibt es erhalten und wird immer wieder gezeigt!

 

Da aber der Prozess der Verstärkung immer nur dann greift, wenn die Konsequenz das aktuelle Bedürfnis des Hundes adressiert und befriedigt, muss man sich Gedanken um die Belohnungspalette seines Hundes machen und diese dementsprechend breit fächern, um den Prozess der Verstärkung auf seiner Seite zu haben, denn Hundis Bedürfnisse sind vielfältig und verändern sich ständig! Hier erklärt sich, warum Belohnen ausschließlich durch Futter nicht erfolgreich seien kann. Auch wenn der Hund sehr futterorientiert ist, stößt man mit alleiniger Futterbelohnung spätestens in den Bereichen Angst und Aggression an seine Grenzen (hier müssen wir die Abschwächung des Auslösers nutzen, um verstärkend wirken zu können). Daher ist es sinnvoll die Vorlieben und eventuellen „Hobbys“ des Hundes zu sichten um möglichst viele verschiedenen Belohnungsmöglichkeiten in den Alltag zu integrieren und mit dem Markersignal zu verknüpfen:

  • Futter in verschiedensten Wertigkeiten (von so lala bis hin zu supertoll), welches auf unterschiedlichste Arten Angeboten wird (geworfen, gerollt, belauert)
  • Soziale Zuwendung (vom lieben Wort bis hin zur entspannenden Massage)
  • Spiel in all seinen Facetten
  • Selbstbelohnende Verhalten

 

  • und speziell für Auslöser, die negative Emotionen in Hundi auslösen und Verhaltensweisen, die aus einer negativen emotionalen Lage herraus entstehen, Signale, die Hundi helfen Distanz zum grusligen Auslöser aufzubauen, was Hundi  Erleichterung verspüren lässt (die dann verstärkend auf das distanzbringende Verhalten wirkt :-).

 

 

Belohnung = Verstärkung?

 

Alle Welt redet von Belohnung und Verstärkung in einem Satz. Es muss aber Unterschieden werden, denn es gibt einen Unterschied:

 

 

Verstärkend wirken Konsequenzen, die das aktuelle Bedürfnis ansprechen und vom Individuum mit dem gezeigten Verhalten in Verbindung gebracht werden können. Die Folge ist, dass das Verhalten zukünftig öfters gezeigt wird, da es vom Gehirn als lohnenswert für solche und ähnliche Situationen erlernt wird.

Belohnend wirken Konsequenzen, die das aktuelle Bedürfnis nicht ansprechen, aber stimmungsverbessernd sind. Die gezeigte Verhaltensweise erfährt in diesem Fall keine Verstärkung. Das aktuelle Bedürfnis wird nicht angesprochen, daher ist das Verhalten nicht zielführend und wird nicht als mögliche Lösungsstrategie erlernt, auch wenn die Belohnung  eine positive Emotion im Hund auslöst.

Um Training und Alltag zu optimieren nutzten wir beide Varianten:

  • verstärkende Konsequenzen lassen Verhalten entstehen und festigen es, wenn sie tatsächlich vom Hund mit dem Verhalten verknüpft werden können (hierfür nutzen wir den Marker)
  • belohnende Konsequenzen  erzielen Stimmungsverbesserung und können eine bessere Ausgangsposition schaffen.

Diese beiden Varianten werden sowohl einzeln, als auch in der Kombination genutzt.

 

Datenschutzerklärung

 

 

 

 

 

"gib,s mir!"

 

 

 

"Click!" Markersignal für das "Ausgeben"

 

 

Die Konsequenz "Ball wird geworfen" trifft Sharis aktuelles Bedürfnis "Ball jagen wollen", wodurch das zuvor markierte Verhalten (hier "Ausgeben") Verstärkung erfährt und somit in Sharis Gehirn als lohnenswerte Handlung verknüpft wird!