Abbruchsignale 1

Es wird im Alltag immer wieder Situationen geben in denen der Hund sein Verhalten unbedingt sofort unterbrechen sollte. Im konventionellen Hundetraining ist dann die Rede von "Abbruchsignalen". Konventionelle  Abbruchsignale basieren auf  akustische Schreckreize (z.B. streng/scharf ausgesprochene Worte  wie "Nein/Pfui/aus", Diskschellen, Zischlaute, Rütteldosen etc.), körpersprachliche Bedrohung (anstarren/ drüber beugen/ schnell auf Hundi zugehen etc.), ängstigende und körperliche Übergriffe (z.B mit Wasser bespritzen/ Sprühhalsbänder) und ängstigende & körperliche schmerzhafte Einwirkung (schlagen/Leinenruck/kneifen /Nackenschütteln/Schnauzengriff/schubsen etc.), die den Hund in seiner Handlung unterbrechen sollen. Da der Schreck/Schmerz den Hund kurz innehalten lässt ( unbewusste Konfliktreaktion und unbewusste Verrechnung der Optionen im Gehirn!)und Angst als übergeordnetes Überlebenssystem aktuell gezeigtes Verhalten hemmt, um in Gegenwart der Bedrohung durch anderes Verhalten Schlimmeres zu  verhindern,  können alle oben aufgezählten Reize und Handlungen vom Hund aktuell gezeigtes Verhalten abbrechen- wenn sie erschreckend/ängstigend/ schmerzend auf den Hund wirken.

 

Allerdings lernt  Hundi NICHT bewusst auf diese Reize/diese Handlungen hin sein aktuelles Verhalten zu unterbrechen und sich aktiv seinem Menschen zuzuwenden (bzw. anderweitig  bewusstes Alternativverhalten zu zeigen), sondern erschrickt und ist durch die Angst gehemmt: Dieser Verhaltensabbruch, welcher durch Schreckreize/Schmerzreize ausgelöst wird ist eine vom Hunddegehirn initiierte und unbewusste Reaktion auf die bedrohliche Einwirkung seitens der Bezugspersonen und von Hundi willentlich NICHT zu steuern! Die Schreckreaktion stoppt alle bewussten Verhaltensweisen kurzfristig und Angst hemmt als übergeordnetes Überlebenssystem aktuell gezeigtes Verhalten  (auch bis zu einem gewissen Grad Aggressionsverhalten!), damit das Gehirn „Zeit hat“ um die verfügbaren Informationen für die Entscheidungsfindung „Angstverhalten,  Aggressionsverhalten oder anderes Verhalten“ zu verrechnen. Dieser Verhaltensabbruch ist die unbewusste Reaktion „Einfrieren“, welche  vom reticularen Aktivierungssysthem und der Amygdala im Gehirn gesteuert wird und daher von Hundi willentlich NICHT zu steueren ist! Leider sind Bezugspersonen  dadurch viel zu oft in ihrem Glauben bestärkt, mit akustischen Schreckreizen/Schmerzreizen, anderen negativen Abbruchsignalen und negativen Einwirkungen ein gutes Trainingswerkzeug an der Hand zu haben, da die unbewusste Konfliktreaktion „Einfrieren“ den Bezugspersonen bewussten Verhaltensabbruch suggeriert und viel zu oft auch als solches verkauft wird :-(

 

Hinzu kommt die Tatsache, dass das konventionelle Abbruchsignal von der Bezugsperson produziert wird und der Mensch zwangsläufig mit der unangenehmen Erfahrung via klassische Konditionierung im Hundegehirn verknüpft und dementsprechend negativ assoziiert wird.

 

Weiter führt das straforientierte Training zu einem Hund, der im besten Fall  „nur“ abzuschätzen lernt ob die Bezugsperson ihn mit Strafe schnell erreichen kann (Bestrafungsklugheit). Je nachdem zeigt Hundi dann das unerwünschte Verhalten oder nicht, den bewussten Verhaltensabbruch lernt Hundi jedoch nicht, sondern nur, das die Bezugsperson in dieser Situation gefährlich für ihn wird: das ist ein klassisch konditionierter Lernprozess, wobei der Verhaltensabbruch wieder auf die hier beschriebenen Umstände basiert. Im schlechtesten Fall verknüpft das Gehirn des Hundes alle weiteren eingehenden Reize mit der vorherrschenden negativen Emotion der Situation und erlernt auf diese Weise neue und zusätzliche Angstauslöser :-(

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Aber es geht doch sehr viel einfacher: Durch positive Verstärkung trainiertes Stehenbleiben, Sitz machen, Platz machen, sich umdrehen oder zurückkommen unterbrechen jedes Verhalten, ohne das Tier zu ängstigen oder ihm Schmerzen zuzufügen und ohne die Beziehung zwischen Mensch und Hund negativ zu beeinträchtigen!


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